Mit neuen Möglichkeiten aufgeladen
Bechtold setzt auf Schröder-Fasti Rundbiegemaschine
Anwender
Wenn eine Anfrage interessant genug ist, kann es sich auch lohnen, extra für diesen Auftrag eine Maschine anzuschaffen. So geschehen bei der Günter Bechtold GmbH in Weilheim i. Ob. Mit der Rundbiegemaschine 134 von Schröder-Fasti ist das Unternehmen jetzt Zulieferer für einen Ladesäulen-Hersteller.
Es ist ein Unterschied, ob man etwas grundsätzlich herstellen oder in Serie produzieren kann. Doch bevor sich dies das entscheidet, braucht es zunächst das Interesse eines potenziellen Kunden – und dieses entstand im Zusammenhang mit dem Thema Ladesäulen über einen Kunden der Günter Bechtold GmbH, der seinerseits die Elektronikbestückung für einen süddeutschen Hersteller von E-Mobility-Ladesäulen vornimmt. Dank dieser Vermittlung erreichte Bechtold die Anfrage, ob das Unternehmen in der Lage sei, mit acht verschiedenen, wechselnden Radien rundgebogene Säulen zu liefern.
Die Günter Bechtold GmbH ist auf Blechbearbeitung spezialisiert und übernimmt für Partner aus Industrie und Handwerk Aufgaben vom einfachen Laserschneiden bis zu hochkomplexen Blechteilen. Mit dem „Heißen Tisch“ bietet das Unternehmen auch eine eigene, innovative Produktreihe: Tische mit integrierter Koch- und Grillmöglichkeit. Beim Abkanten von Stahl, Edelstahl und Aluminium arbeitet das Bechtold-Team mit Biegepressen bis zu 230 Tonnen Presskraft. Zur meisterhaften Beherrschung dieser Maschinen gehört auch das Polygonbiegen: Durch viele kleine Biegeschritte lassen sich Rundungen erzeugen, und in diesem Verfahren wurde ein Muster der Ladesäule hergestellt.
„Das schrittweise Rundbiegen ist natürlich zu langsam für die Serienproduktion, aber ich wusste, an wen ich mich wenden muss: die Schröder Group“, berichtet Florian Krichenbauer, Betriebsleiter bei der Günter Bechtold GmbH, der persönlich mit Thomas Ostermair, dem Vertriebsleiter der Hans Schröder Maschinenbau GmbH im 16 Kilometer entfernten Wessobrunn-Forst bekannt ist. Während dort vor allem Schwenkbiegemaschinen und Tafelscheren gefertigt werden, ist die Tochterfirma Schröder-Fasti unter anderem für hochpräzise Rundbiegemaschinen bekannt. Der Kontakt war schnell hergestellt und Bechtold schickte Probebleche und die Anforderungen zu Schröder-Fasti im nordrheinwestfälischen Wermelskirchen. Die Biegeergebnisse überzeugten und die Firma Bechtold kaufte kurzentschlossen die Ausstellungsmaschine, auf der die Ladesäulenmuster gebogen worden waren.
Asymmetrische Rundbiegemaschine
Die Schröder-Fasti 134 ist eine asymmetrische Rundbiegemaschine. Durch ihr von den meisten marküblichen Maschinen abweichendes Konzept kann hier von hinten an- und von vorne fertiggerundet werden. Dabei bleibt – anders als bei symmetrischen Rundbiegemaschinen – kein gerades Stück zurück. Die Maschine verfügt über ein Wechselgetriebe für verschiedene Rollen, die sich durch eine einzigartige Balligkeit auszeichnen. Diese parabelförmige Geometrie, die der Bombierung bei einer Schwenkbiegemaschine entspricht, ist ein Alleinstellungsmerkmal der Fasti-Maschinen. Sie sorgt für passgenaue Enden, so dass sich Röhren perfekt zuschweißen lassen. Die Positioniergenauigkeit der Maschine liegt bei einem Zehntel Millimeter. Ihre äußerst stabile Bauweise mit gusseisernen Seitenschildern und hochwertigen Antrieben verleiht der Maschine die Kraftreserven, die einen dauernden Betrieb an den Grenzen der Spezifikationen erlauben – hiervon profitiert auch Bechtold.
Rahmenvertrag für 2000 Ladesäulen
Die Firma Bechtold konnte überzeugen und erhielt einen Rahmenauftrag für 1000 Ladesäulen. Für ein weiteres, größeres Modell folgte ein zweiter Auftrag über ebenfalls 1000 Stück, die nach und nach abgerufen werden. Seit Sommer 2024 wurden bereits rund 400 der komplexen Biegejobs ausgeführt. Bechtold übernimmt auch die Pulverbeschichtung, Ausschnitte, Türen und die Abdichtung der Gehäuse.
„Es ist faszinierend zu beobachten, wie exakt die Rundbiegemaschine von Schröder-Fasti arbeitet und wie die Radien perfekt ineinander übergehen“, sagt Krichenbauer. „Ich kann den Schröder-Mitarbeiter Ralf Oberberg nur loben. Er hat die Steuerung für das Biegen der Ladesäulen perfektioniert und uns bei der Gelegenheit auch gleich geschult.“ Die Einstellungen für das Biegeprogramm werden empirisch ermittelt, und das Programm verhält sich dann wie eine Bahnkurvensteuerung.
Für die beiden Ladesäulentypen werden 1,25 mm starke V2A-Stahlbleche verarbeitet (1.4301) in den Maßen 1400 x 400 mm und 1700 x 450 mm. „Wir gehen mit unseren Parametern an die Grenzen des Möglichen“, gesteht Krichenbauer. Dabei wird ein Schritt nötig, den es sonst nicht braucht: Das Blech wird zweimal durch die Maschine geführt. Der Grund: Wegen der Rückfedereigenschaft des Edelstahlblechs und den sehr engen kleinsten Radius des Werkstücks von 73mm wird durch das nochmalige Durchlaufen des Biegeprogramms die Maßhaltigkeit verbessert.
„Die Rundbiegemaschine 134 von Schröder-Fasti hat uns den Einstieg in zwei große Ladesäulenprojekte ermöglicht. Die Präzision, mit der wir jetzt rundbiegen können, ist beeindruckend, und ich bin gespannt, welche Aufträge wir mit dieser neuen Fertigungskapazität noch gewinnen können“, sagt Florian Krichenbauer.
Eingesetzte Maschine
Rundbiegemaschine 134
- Größe 15/2
- 1540 mm Nutzlänge
- Blechdicke bei 400 N/mm²: 2,0 mm
- Walzendurchmesser: 100 mm
- Motorleistung: 1,1 kW
- Farbe: RAL 7035 Lichtgrau/RAL 5003 Saphirblau





